Erschienen am: 1767880952
Wie alles begann:
Die Gründungsurkunde des Topographischen Bureaus vom 19. Juni 1801
Der 19. Juni 1801 gilt als Gründungsdatum der Bayerischen Vermessungsverwaltung. An diesem Tag unterzeichnete Kurfürst Max IV. Joseph in München die Gründungsurkunde für das Topographische Bureau. Mit diesem „höchsten Rescript“ gab er den Auftrag, erstmals eine „vollständige, astronomisch- und topographisch richtige Charte“ des Kurfürstentums Bayern im Maßstab 1:50 000 für militärische und zivile Zwecke zu erarbeiten. Zur Leitung dieses „Geschäfts“ bestimmte der Kurfürst den Geheimen Legationsrat und Kabinettssekretär von Rheinwald, Oberst von Riedl und den General-Landesdirektionsrat Müller. In der umfangreichen Urkunde wurde u.a. festgelegt, dass sämtlichen „über Land gehenden“ Ingenieuren überall Unterkunft und Verpflegung zu verschaffen ist, dass sie mit ortskundigen „Boten“ zu versehen sind und dass ihnen alle „Thürme“, „Schlößer“ und sonstigen „Lokale“ zu öffnen sind. Ferner wurde in der Urkunde festgelegt, dass alle Landesarchive, Gerichts- und Stadtregistraturen der Direktion des Topographischen Bureaus auf Verlangen ihre aufbewahrten Pläne gegen eine auszustellende Versicherung der Rückgabe abzuliefern hatten. Als monatliches Budget wurde eine Summe von 5700 f. (Floren oder Gulden; nach heutigem Stand wäre 1 Gulden ca. 10 Euro wert) festgelegt. Die erste Tätigkeit des Topographischen Bureaus war die Messung der Basislinie zwischen Unterföhring und Aufkirchen.
Die Vorgeschichte dieser für die Bayerische Vermessungsverwaltung so bedeutungsvollen Urkunde begann bereits im Juni 1800. Zu diesem Zeitpunkt besetzten französische Truppen der Armée du Rhin unter General Moreau die Stadt München. Da Napoleon zur Durchsetzung seiner militärischen Ziele größten Wert auf exaktes Kartenmaterial legte, wurde zur Planung weiterer militärischer Aktionen das vorhandene topographische Kartenmaterial beschlagnahmt. Es erwies sich aber als teilweise ungenau und veraltet. Dies war für Napoleon der Anlass, die Initiative zu ergreifen und die Anfertigung einer präzisen neuen Karte von ganz Bayern, der „Carte de la Bavière“, in die Wege zu leiten. General Charles Matthieu Isidore Graf von Decaën wurde beauftragt, eine „Commission des Routes“ zu gründen, die bereits kurze Zeit später, am 22. August 1800, in Schloss Nymphenburg unter der Leitung des französischen Generals und Ingenieurgeographen Charles-François Frérot d’Abancourt (1756-1801) die Arbeit aufnahm. Als d’Abancourt im Januar 1801 starb, wurde der französische Oberst Charles Marie Rigobert Bonne (1771-1839) sein Nachfolger.
Das begonnene Werk einer genauen und systematischen Karte von Bayern konnte von französischer Seite jedoch nicht wie geplant durchgeführt werden, denn schon im Februar 1801 wurden die französischen Truppen wieder aus München abgezogen. Die französische Generalität bot jedoch an, Oberst Bonne und einige weitere französische Ingenieurgeographen zur Weiterführung des Kartenwerks in München zu belassen. Kurfürst Max IV. Joseph erkannte dieses Potential und gründete „zur Fortsetzung und Vollendung der zur Herstellung einer solchen Charte des Bairischen Kreises im verfloßnen Jahre bereits angefangenen Arbeiten“ eine Kommission zur Ausarbeitung eines Organisationsplans für ein künftiges Topographisches Bureau. Mitglieder dieser Kommission waren Johann Ludwig von Rheinwald, Adrian von Riedl, Joseph Müller und Georg von Grünberger. Die Kommission erarbeitete umgehend einen Organisationsplan, in dem die Vorgehensweise der systematischen bayerischen Landesvermessung festgelegt wurde. Bereits am 9. Juni 1801 wurde der fertige Entwurf dem Kurfürsten übergeben und nur zehn Tage später, am 19. Juni 1801, wurde der Organisationsplan genehmigt und der Grundstein für die behördliche bayerische Landesvermessung, deren Leistungen schon nach kurzer Zeit in ganz Europa einen hervorragenden Ruf genossen, war gelegt.
Quelle: Alfons Habermeyer. Die topographische Landesaufnahme von Bayern im Wandel der Zeit. Stuttgart 1993, S. 10-28.
Die Zitate stammen aus der Transkription der Urkunde. Sie werden zitiert nach: Alfons Habermeyer. Die topographische Landesaufnahme von Bayern im Wandel der Zeit. Stuttgart 1993, S. 26 und 28.